Fotokalender

Geliebte Motive am Arbeitsplatz

Ein öffentlicher bzw. gemeinschaftlich genutzter Büroraum gilt nach den ungeschriebenen Gesetzen der Professionalität als eine Art neutrale Zone, in der alle anfallenden Arbeiten mit einer gesunden Prise Objektivität und Effizienz und unter Verzicht auf die Ablenkungen des Privatlebens erledigt werden. Daher würde es wohl in der Regel bei den Mitarbeitern und Kollegen auch als merkwürdig und unangebracht auffallen, wenn man ein familiäres oder touristisches Fotoalbum täglich zur Arbeit mitbringen oder gar dauerhaft vor Ort im Büro lagern würde. Da ein gelegentlicher Blick auf vertraute Motive und liebe Personen jedoch zu den Grundbedürfnissen der meisten Menschen zählen, bieten sich diverse Methoden zur Unterwanderung dieses ungeschriebenen Privatisierungsverbotes an: Fotokalender etwa sind ein raffiniertes Mittel, persönliche Bilder dezent in einem professionellem Umfeld unterzubringen.

Wenn die Fotos von Partner, Kindern, Eltern und Schulfreunden auf dem Papier untrennbar mit einem mächtigen bürokratischen Organisationswerkzeug wie einem Kalender verbunden sind, nimmt dies allen Kritikern am Bildergenuss den Wind aus den Segeln. Wenn sich die Bürogemeinschaft gar entschließen sollte, einen gemeinsamen Fotokalender von, mit und für alle Mitarbeiter an zentraler Stelle auszuhängen, so starkt dies das Zusammengehörigkeitsgefühl und dadurch die Produktivität aller Beteiligten.

Man findet nie Freunde, wenn man darauf ausgeht, sie zu finden; sie kommen ungesucht.